Digitaltag Vaduz: Future Skills - Kompetenzen für die Zukunft

aufklappen   Einklappen  
Interview

«Schnelles Internet ist heute so unverzichtbar wie Elektrizität»

Im Jahr 2024 übernahm Vania Lenherr als Geschäftsführerin die Geschicke bei der Hoi Internet AG. Die berufliche Rückkehr in die Heimat hat sie nicht bereut.

Seit 2024 führt Vania Lenherr die Hoi Internet AG in Gamprin-Bendern und prägt damit einen Anbieter, der in Liechtenstein für regionales Internet, Kundennähe und digitale Infrastruktur steht. Im Interview mit «Wirtschaft regional» spricht sie über ihren Weg zu Hoi, die Bedeutung stabiler Internetversorgung, unterschätzte Cyberrisiken und die Frage, wie Eltern Kinder im digitalen Alltag besser begleiten können. Darüber hinaus engagiert sich Vania Lenherr als Boardmitglied von digital-liechtenstein.li.

Interview: Tobias Soraperra, Wirtschaft regional

Frau Lenherr, Sie sind seit 2024 Geschäftsführerin der Hoi Internet AG. Wie kam es dazu?

Vania Lenherr: Der Weg zu Hoi hat sich für mich fast so angefühlt, wie nach Hause zu kommen. Nach über einem Jahrzehnt in der Telekommunikations­branche verspürte ich den Wunsch, Dinge wirklich bewegen zu können, in einer Umgebung, in der man die Aus­wirkungen direkt sieht. Liechtenstein ist meine Heimat und die Idee, hier den Menschen das beste Internet an­zubieten, persönlich, fair und regional, hat mich sofort angesprochen. Als die Möglichkeit kam, die Führung von Hoi zu übernehmen, war das für mich ein logischer nächster Schritt: Erfah­rungen aus der grossen Konzernwelt in eine agile, kundenzentrierte Organisa­tion einzubringen, die echten Charak­ter hat.

Worin sehen Sie die grössten Un­terschiede zu Ihrer bisherigen Tätigkeit?

Früher war ich in einem Konzern mit Tausenden von Mitarbeitern tätig, mit entsprechend grossen Projekten und Budgets. Bei Hoi sind wir ein kleineres KMU, das aber sehr schlagkräftig und durchsetzungsfähig ist. Ich kenne jede Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter persönlich und weiss, was unsere Kun­dinnen und Kunden beschäftigt. So kann ich Entscheidungen direkt und schnell umsetzen. Was ich hier beson­ders schätze, ist die Nähe zur Region, zu den Menschen, zum Team.

Wie erleben Sie den täglichen Kontakt mit Kunden bei Hoi?

Man ist direkt an der Front und be­kommt ohne grosse Umwege sehr viel mit. Dieses direkte Kunden-Feedback schätze ich sehr, denn wir können durch unsere kurzen Wege sofort auf Rückmeldungen reagieren. Das ist in einem riesigen Konzern schlicht nicht möglich.

Kann dieser direkte Kontakt auch manchmal herausfordernd sein?

Er ist vor allem sehr ehrlich und genau diese Ehrlichkeit schätze ich. Natürlich hört man auch Dinge, die man viel­leicht nicht unbedingt hören möchte. Dann gilt es, ehrlich zu sich selbst zu sein und zu analysieren, woher das Feedback kommt. Bei Hoi haben wir den grossen Vorteil, dass wir solche Rückmeldungen direkt in Verbesse­rungen ummünzen können, ohne lange Entscheidungswege.

Worauf legen Sie als Geschäftsfüh­rerin bei der Mitarbeiterführung besonders viel Wert?

Eigenverantwortung und Vertrauen sind für mich zentral. Das bedeutet nicht, dass jeder einfach macht, was er will. Es gibt klare Erwartungen, aber innerhalb dieses Rahmens auch Spiel­raum. Wichtig ist mir, dass alle ihre Meinungen und Ansichten einbringen können. Führung bedeutet für mich auch, Vorbild zu sein: in der Art, wie man kommuniziert, wie man mit Feh­lern umgeht und wie man Herausfor­derungen anpackt. Ein wertschätzen­der Umgang miteinander ist keine weiche Kompetenz. Das ist das Funda­ment, auf dem gute Teams entstehen und wachsen.

Wie Sie bereits erwähnten, sind Sie über den Bereich Kommunikation in der Digitalbranche gelandet. War dieser berufliche Werdegang so geplant?

Ja, was ist im Leben schon genau ge­plant? (lacht) Ich habe Kommunikation studiert und der Einstieg in die Tele­kommunikation kam anfänglich über das Marketing. Was mich dann aber wirklich gepackt hat, war die Dynamik dieser Branche: die Geschwindigkeit, mit der sich Technologien weiterent­wickeln, und die Frage, wie das, was technisch möglich ist, in echten Mehr­wert für Menschen übersetzt werden kann. Mit der Zeit wurden die Projekte immer digitaler. Die Frage, wie Tech­nologie das Alltägliche einfacher und besser machen kann, treibt mich auch heute bei Hoi noch an.

Wenn wir über die Weiterentwick­lung sprechen: Wie hat sich die digitale Branche seit Ihren berufli­chen Anfängen verändert?

Die Beschleunigung ist enorm. Als ich in der Branche angefangen habe, gab es zwar schon die ersten Smartphones. Was damit aber eines Tages möglich sein würde, konnte sich damals nie­mand vorstellen. Was sich bei all dem Wandel nicht verändert hat: Am Ende geht es immer um Menschen. Techno­logie ist das Mittel, nicht der Zweck. Genau das versuchen wir bei Hoi täg­lich zu leben.

Stichwort Notwendigkeit: Wie un-verzichtbar ist eine funktionierende Internet-Infrastruktur heute?

Schnelles Internet ist heute so unver­zichtbar wie Elektrizität. Homeoffice, Videokonferenzen, Streaming, Online- banking, digitale Behördengänge: All das funktioniert nur mit einer stabilen und schnellen Verbindung. In Famili­enhaushalten müssen mehrere Perso­nen ohne Einschränkungen gleichzei­tig online sein können. Und für Unter­nehmen ist zuverlässiges Internet ein handfester Wettbewerbsvorteil. Späte­stens die Pandemie hat gezeigt, wie entscheidend funktionierende Infra­struktur ist, gesellschaftlich, wirt­schaftlich und sozial.

Wie ist Liechtenstein aus Ihrer Sicht im internationalen Vergleich aufgestellt, was die Qualität des Internets betrifft?

Wir haben das Glück und Privileg, dass in unserem Land das Glasfasernetz bis in den hintersten Winkel ausgebaut ist. Praktisch jedes Gebäude ist ange­schlossen oder anschliessbar, was im internationalen Vergleich ausseror­dentlich ist. Hoi kann auf diesen Lei­tungen Anschlüsse mit bis zu 10 Giga­bit anbieten. Das ist eine hervorra- gende Ausgangslage, die wir nutzen und auf der wir weiter aufbauen.

Die kurzen Wege in einem so klei­nen Land dürften hierfür auch hilfreich sein, nehme ich an?

Ja, definitiv. Das Schöne ist: Wir kennen unsere Kunden, sind schnell erreichbar und können bei Bedarf direkt vor Ort unterstützen. Das ist eine Stärke, die wir bei Hoi ganz bewusst pflegen.

Dennoch sagen Sie, dass das beste­hende Potenzial in puncto Internet in Liechtenstein zu wenig ausge­schöpft wird. Was meinen Sie damit konkret?

Es braucht mehr Bewusstsein dafür, was technisch möglich ist, vor allem bei Unternehmen und älteren Genera­tionen. Natürlich braucht nicht jeder die maximale Geschwindigkeit. Aber wer einmal erlebt, wie schnell und ein­fach das funktioniert, will es nicht mehr missen. Da sehen wir bei Hoi eine klare Aufgabe: informieren, bera­ten und aufzeigen, was möglich ist, zu einem fairen Preis. Das ist für uns ge­lebter Kundenservice.

Ein weiterer Aspekt ist das Thema Cybersicherheit. Wie wichtig ist Sicherheit im Internet?

Extrem wichtig und ehrlich gesagt nach wie vor unterschätzt. Wir alle sind täglich im Netz, hinterlassen Da­ten, kommunizieren, kaufen ein, ver­walten unsere Finanzen. Gleichzeitig nehmen Angriffe auf Privatpersonen und Unternehmen in Häufigkeit und Raffinesse zu. Die gute Nachricht ist: Man muss kein IT-Experte sein, um sich wirksam zu schützen.

Was kann man als Privatperson konkret tun?

Es braucht keine grossen Massnah­men, aber konsequente. Ein starkes, einzigartiges Passwort für jeden Dienst, am besten verwaltet mit einem Passwort-Manager, ist der erste Schritt. Dazu die Zwei-Faktor-Authen­tifizierung, wo immer das möglich ist. Und regelmässige Software-Updates, denn viele Angriffe nutzen Lücken, die längst bekannt sind. Und eine gute Si­cherheitssoftware schadet nie. Wer das beherzigt, ist schon deutlich siche­rer unterwegs.

Von wo geht Ihrer Meinung nach die grösste Gefahr aus?

Was am meisten unterschätzt wird, sind Phishing-Angriffe. Vor allem mit dem Aufkommen von künstlicher In­telligenz werden diese immer realer und perfider. KI wird genutzt, um An­griffe effizienter und täuschend echt zu machen. Gleichzeitig setzen auch Si­cherheitslösungen zunehmend auf KI, um Bedrohungen schneller zu erken­nen. Wer unvorsichtig auf Links klickt oder Daten eingibt, läuft Gefahr, Opfer eines Betrugs zu werden.

Gibt es dennoch Möglichkeiten, Phishing-Mails zu erkennen?

Auf jeden Fall. Die E-Mail-Adresse des Absenders sollte immer genau ange­schaut werden. Auch an Kleinigkeiten lassen sich Phishing-Mails identifizie­ren: Beispielsweise verwendet der Ab­sender ein scharfes S, oder der Gedan­kenstrich taucht auffällig häufig auf. Das sind typische Merkmale KI-gene­rierter Texte. Und wer grosse Zweifel hat, kann das verdächtige Mail auch an Internetanbieter wie uns zur Überprü­fung weiterleiten.

In Liechtenstein wird aktuell inten­siv über sichere Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen diskutiert – ein Thema, das Sie als Geschäftsführerin und als Mutter gleichermassen beschäftigt?

Ja, das Thema war beispielsweise auch im April im Landtag präsent, und auch unsere Kundinnen und Kunden treten immer öfter mit Fragen an uns heran. Es beschäftigt mich als Mutter und als Geschäftsführerin tatsächlich glei­chermassen.

Was wird dabei von Hoi erwartet?

Natürlich alles. (lacht) Wir bieten Un­terstützung, etwa mit Routern, die die Nutzung steuern. Man kann festlegen, zu welchen Zeiten die Kinder Zugang haben, welche Inhalte gesperrt werden oder ob Social Media nur ausserhalb der Schulzeit verfügbar ist. Es gibt auch die Möglichkeit eines Beloh­nungssystems: Wer gute Noten schreibt, erhält Credits und damit zu­sätzliche Zeit. Und weil solche Einstel­lungen für viele Eltern technisch ein­schüchternd wirken können, helfen wir bei Hoi dabei direkt. Das ist kein Überwachungswerkzeug, sondern Un­terstützung für Eltern, die einen siche­ren Rahmen schaffen wollen.

Was halten Sie von einem Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige, wie es Australien eingeführt hat?

Als Kommunikationswissenschaftlerin finde ich eine komplette Einschrän­kung schwierig. Es sollte ein bewusster Umgang sein. Gewisse Einschränkun­gen bis zu einem Alter von etwa 14 oder 16 Jahren halte ich aber für sinn­voll, um ein Bewusstsein für die Ge­fahren zu schaffen. Mit 12 Jahren ist man oft noch nicht in der Lage zu ver­stehen, wie heikel das alles ist. Auch eine stärkere Authentifizierung in den sozialen Netzwerken ist notwendig. Und angesichts dessen, wie schnell heute Identitäten gestohlen werden, appelliere ich an Eltern: Seid beim Teilen von Kinderfotos im Internet ex­trem vorsichtig.

Sprechen wir noch über die Zukunft der Hoi Internet AG. Was sind die Ziele?

Wir wollen Hoi noch stärker als das In­ternet-Zuhause in Liechtenstein ver­ankern, als erste Wahl, wenn es um Internet, TV, Festnetz, Mobile und Sicherheit geht. Das Produktportfolio wird konsequent weiterentwickelt, die digitalen Kanäle werden ausgebaut und gleichzeitig bewahren wir die Kundennähe, die unser grösstes Al­leinstellungsmerkmal ist. Liechten­stein ist ein kleines Land und genau das ist eine Stärke. Wachstum ist dabei kein Selbstzweck, sondern das Ergeb­nis davon, dass wir echten Mehrwert schaffen.

Zum Abschluss: 2026 feiert die Hoi Internet AG ihr 25-Jahr-Jubiläum. Was ist geplant?

Wir haben spezielle Angebote für Neu- und Bestandskunden. Zudem sind wir im September auf der Lihga vertreten, die ebenfalls ihr 25-Jahr-Jubiläum fei­ert. Das passt natürlich perfekt.

Können Sie bezüglich des Auftritts auf der Lihga schon mehr verraten?

Wir sind Messerundgangspartner der Lihga 2026. Das bedeutet, dass wir die Besucherinnen und Besucher vom Eingang über die verschiedenen Hal­len bis ins Festzelt begleiten. Dass wir ausgerechnet in dem Jahr dabei sein dürfen, in dem wir unser 25-Jahr-Jubi­läum feiern und die Liga zum 25. Mal stattfindet, ist einfach ein schönes Zu­sammentreffen. Der Name sagt es ja schon: Hoi.

Zur Person
Vania Lenherr ist seit 2024 Geschäfts­führerin der Hoi Internet AG in Gam­prin-Bendern. Sie studierte Kommuni­kationswissenschaften (BSc) an der Universität Wien, vertiefte ihr Wissen mit einem Master of Advanced Studies in Customer Relationship Manage-ment an der ZHAW School of Manage­ment and Law und schloss 2020 ein Certificate of Advanced Studies in Angewandter Psychologie für Füh­rungskräfte ab. Nach elf Jahren in verschiedenen Funktionen in der Tele­kommunikationsbranche sowie kurzen Stationen beim Sicherheitsdienst Ar­gus und der Telecom Liechtenstein AG übernahm sie vor zwei Jahren die Lei­tung von Hoi. Vania Lenherr engagiert sich zudem als Mitglied von Women for the Board für mehr Diversität in Füh­rungspositionen. Darüber hinaus ist Vania Lenherr auch Boardmitglied von digital-liechtenstein.li. Privat lebt sie mit ih­rem Ehemann und ihrer Tochter in Ruggell und ist Co-Präsidentin des Schwimmclubs Unterland.

Newsletter abonnieren

Immer informiert über aktuelle Events, Workshops und News zur Initiative digital-liechtenstein.li

Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.