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Interview

«Ökosystem-Ansatz, Self Sovereign Identity und ein zentraler Data Space werden Gamechanger für Liechtenstein»

Stephan Gstöhl ist seit über 15 Jahren selbständig im Bereich Business Model Development und IT-Projektleitung tätig. Ausserdem hat er langjährige Erfahrung in der Finanz- und Treuhandbranche. Mit crowd.li hat er den Startpunkt für ein digitales Innovationsökosystem für Liechtenstein und die Region gelegt. Ziel von crowd.li ist es, gemeinsam mit Partnerunternehmen branchenübergreifende und vernetzte Lösungen zu entwickeln. Grundlage für crowd.li ist das Projekt «Public API», welches bestehende Lücken in der digitalen Landschaft beleuchtet hat und eine Roadmap zu einem digitalen Ökosystem für Liechtenstein aufzeigt.

Stephan, kannst du anhand von crowd.li erklären, was ein digitales Ökosystem ist? 

Grosse Player wie Google und Amazon sind bekannte Beispiele für kommerzielle digitale Ökosysteme. Die E-Government Services und die eID der Landesverwaltung sind ein Beispiel für ein staatliches Ökosystem.

Es gibt unterschiedliche Ansätze, wie man ein digitales Ökosystem aufbauen kann. Die Umsetzung von crowd.li orientiert sich an meinem Projekt «Public API». Im Rahmen von vielen Interviews und Gesprächen habe ich einen Ansatz entwickelt, der auf Liechtenstein angepasst ist und die internationalen Entwicklungen rund um Blockchain und künstliche Intelligenz berücksichtigt.

Jedes digitale Ökosystem braucht eine Plattform als Ausgangslage. Diese soll crowd.li bieten. Darauf werden die angeschlossenen Plattformen und Services sowie die Partner im Ökosystem dargestellt.  Ein digitales Ökosystem benötigt Kerndienste, welche die Vernetzung der Akteure (Partner, Kunden, Staat, etc.), der digitalen Plattformen und Dienstleistungen sowie den Austausch von Daten ermöglicht. Im Hintergrund dient die «Public API» als Schnittstelle für technische Vernetzung und Datenaustausch. Der erste Kerndienst im Ökosystem ist my-login.li, eine SSO-Lösung. Die User können dadurch mit einem zentralen Login die angeschlossenen Plattformen und digitalen Services nutzen – einmal registrieren und man kann sich im digitalen Ökosystem «frei bewegen».

Welche Vorteile bringt ein «Ökosystem-Ansatz» und wie differenziert sich crowd.li von anderen Plattformen und Ökosystemen?

Ein digitales Ökosystem ist dann erfolgreich, wenn es sich an den Bedürfnissen der Akteure orientiert und echten Mehrwert für die Beteiligten schafft, der ohne das digitale Ökosystem nicht möglich gewesen wäre. Im Gegensatz zu anderen Plattformen hat crowd.li nicht das Ziel, zentral auf einer Plattform Dienstleistungen anzubieten. Unser Ansatz beruht darauf, bestehende Plattformen und Lösungen zu verbinden und durch diese Verbindung Mehrwerte zu schaffen. So wird crowd.li nicht zu einem zentralen System, das Abhängigkeiten schafft, sondern schliesst lediglich Lücken, welche eine zielgerichtete und vernetzte Digitalisierung verhindern.

Im Kern von crowd.li stehen zwei Aspekte. Einerseits der Mehrwert, welcher durch die technische und anderweitige Vernetzung von bestehenden Lösungen von Partnerunternehmen aus Liechtenstein und darüber hinaus entstehen kann. Andererseits das Potenzial, gemeinsam neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und bestehende Lösungen zu stärken sowie Dienstleistungen vernetzt anbieten zu können.

Mit expert-hub.li startet aktuell die erste Plattform im crowd-li Ökosystem. Kannst du am Beispiel von expert-hub.li erklären wie das Ökosystem funktioniert und welche Vorteile sich ergeben?

Mit expert-hub.li möchten wir einen Beitrag zur Digitalisierung und eine Unterstützung für kleinere Unternehmen in Liechtenstein auf verschiedenen Ebenen erreichen. Einerseits bietet die Plattform für Unternehmen, Selbständige und Organisationen die Möglichkeit, ihre Beratungsdienstleistungen darzustellen und anzubieten. Auf der Plattform können nicht nur Services gebucht werden. Auch Termin, Zahlung, Rechnungsstellung und Online-Call – alles kann über die Plattform erfolgen.

Expert-hub.li ist auch der Startpunkt für Profile von Personen und Organisationen im Ökosystem, d.h. die Sichtbarkeit der Unternehmen und Dienstleistungen aus Liechtenstein wird gefördert. In weiterer Folge soll ein Firmenverzeichnis entstehen, welches mit expert-hub.li verknüpft werden kann. Dafür ist einerseits ein vollständiges und akkurates Verzeichnis aller Unternehmen im Land nötig. Das setzt die Daten von öffentlicher Seite voraus, die mit zusätzlichen Funktionen und Dienstleistungen von verschiedenen IT-Unternehmen ergänzt werden können. Wir sollten ein öffentliches Firmenverzeichnis mit Handelsregister-Daten und Decentralized Identifiers (DID) verbinden. Das ermöglicht das digitale Onboarding von Kunden im Finanzbereich, schafft Sicherheit im digitalen Rechtsverkehr und bringt weitere Vorteile für die Umsetzung von digitalen Lösungen durch Unternehmen aus Liechtenstein.

Eine datenschutzkonforme KI-Plattform mit allen gängigen Modellen ist als nächste Plattform in der Pipeline. Hier kommt das Ökosystem-Denken weiter zum Tragen. Die Expert:innen auf expert-hub.li können sich zukünftig mit ihrer Expertise zu KI ausweisen und direkt auf der KI-Plattform Unterstützung und Services anbieten. Damit verknüpfen wir zwei eigenständige Plattformen und schaffen einen ersten Mehrwert. Und so soll es weitergehen…

Schnittstellen, Datenaustausch, Vernetzung… birgt das nicht Gefahren in Bezug auf Souveränität, Datenschutz und Cybersicherheit?

Auf den ersten Blick ja, aber da kommen die identifizierten Schwerpunkte von Public API zum Tragen. Ein Grundpfeiler für die Umsetzung von Datenschutz und Cybersicherheit liegt im Konzept von Self Sovereign Identity und Self Sovereign Data. Wir müssen einerseits für das Thema Digitale Identität die notwendigen Grundlagen schaffen. Andererseits brauchen wir einen Ansatz, wie wir mit öffentlichen und privaten Daten in einem kommerziellen und gesellschaftlichen Kontext umgehen. Das benötigt eine entsprechende Infrastruktur mit klaren Spielregeln und der notwendigen Security.

Ein Ökosystem-Ansatz, Self Sovereign Identity und ein zentraler Data Space werden Gamechanger für Liechtenstein. Ohne diese Basis können wir das Potenzial von künstlicher Intelligenz und Blockchain-Technologie nicht nutzen. Es gibt hierzu schon gute Beispiele, welche wir schnellstmöglich in Liechtenstein umsetzen und an unsere Bedürfnisse anpassen müssen. Auf dieser Grundlage kann sich Liechtenstein als einzigartiger Standort für Unternehmen und Institutionen im Technologiebereich positionieren und als kleines Land ganz vorne mitspielen.

Hier kommt auch my-login.li wieder ins Spiel. Aktuell ist es eine einfache SSO-Lösung, sie dient aber in weiterer Folge der Anbindung an die liechtensteinische eID, die europäische EUDI-Wallet und andern Identitätslösungen. Auf Basis dieser Anbindungen ist geplant, erste Prototypen und Applikationen auf Grundlage der Digitalen Identität gemeinsam mit anderen Unternehmen zu entwickeln.

Welche weiteren Projekte sind aktuell im Rahmen von crowd.li angedacht, kannst du da einen Ausblick geben?

Mich fasziniert das Thema Schwarmintelligenz sehr. Hier geht es darum, wie wir unsere Köpfe mittels digitaler Tools zusammenschliessen und neue Ideen entwickeln können. Auf crowd.li können als nächstes «Digitale Innovationsräume» erstellt werden. Diese dienen zur Befragung und strukturierten Erfassung von Ideen, Feedback zu Produkten, Q&A, usw. Gerne möchte ich mittels der Innovationsräume beginnen, strukturiert Daten pro Branche zu sammeln und somit eine Wissensbasis aufzubauen, die Unternehmen in Liechtenstein wiederum für KI-Anwendungen nutzen können. Es soll in einer weiteren Phase auch möglich sein, dass Ideen und Prototypen auf crowd.li gefunden und finanziell oder mit Fachwissen unterstützt werden können. So möchte ich Innovation und das Entstehen von neuen Unternehmen und Produkten in Liechtenstein unterstützen.

Danke Stephan für das spannende Gespräch!

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