Rund 40 Personen nahmen am 20. August am Webinar von digital-liechtenstein.li zum KI-Experten-Ökosystem und zum geplanten Pilotprojekt Data Hub teil. Boardmitglied Stephan Gstöhl, Geschäftsführer von crowd.li, zeigte, wie vertrauenswürdige Daten, sichere digitale Identitäten und vernetzte Plattformen neue KI-Anwendungen und digitale Geschäftsmodelle ermöglichen können.
Ausgangspunkt des Webinars war das Projekt «Public API». Die dahinterstehende Idee: Damit Staat, Unternehmen und digitale Plattformen einfacher zusammenarbeiten können, braucht es gemeinsame Grundlagen und besser nutzbare Schnittstellen. Dazu gehören insbesondere digitale Identitäten, standardisierte Datenstrukturen, Datensouveränität, Open Data, digitale Signaturen und die Möglichkeit, Prozesse über mehrere Unternehmen und Anwendungen hinweg sicher abzuwickeln.
Stephan Gstöhl betonte, dass diese Herausforderungen weder vom Staat noch von einzelnen Unternehmen allein gelöst werden können. Gefragt sei eine enge Zusammenarbeit zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor. Nur so könne eine digitale Basisinfrastruktur entstehen, von der Unternehmen, Organisationen und die Bevölkerung gleichermassen profitieren.
KI mit Expertenwissen aus Liechtenstein verbinden
Anhand bestehender Anwendungen zeigte Gstöhl, wie erste Elemente eines solchen Ökosystems bereits miteinander verbunden werden. crowd.li bildet dabei den zentralen Ausgangspunkt. Mit my-login.li steht eine offene Zugangslösung zur Verfügung, über die unterschiedliche Plattformen und digitale Services angebunden werden können.
expert-hub.li wiederum soll Fachpersonen und ihr Wissen sichtbar und direkt zugänglich machen. Nutzerinnen und Nutzer können eine Problemstellung eingeben, erhalten eine erste KI-gestützte Orientierung und werden anschliessend mit passenden Expertinnen und Experten aus Liechtenstein verbunden. Über den sogenannten Expert Recommender lässt sich dieses lokale Fachwissen auch mit dem BusinessAssistant und verschiedenen KI-Modellen verknüpfen.
Damit entsteht ein Ansatz, der Künstliche Intelligenz nicht als Ersatz für menschliche Expertise versteht, sondern beide sinnvoll miteinander verbindet. Gleichzeitig sollen insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen dabei unterstützt werden, ihre Kompetenzen sichtbar zu machen, neue Kundinnen und Kunden zu erreichen und eigene digitale Dienstleistungen anzubieten.
Vertrauenswürdige Daten als Grundlage
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem geplanten Pilotprojekt Data Hub. Ein solcher Datenraum soll Unternehmen und Organisationen ermöglichen, Daten nach gemeinsam festgelegten Regeln auszutauschen, ohne die Kontrolle über die eigenen Informationen zu verlieren. Wichtige Grundsätze sind Datensouveränität, Interoperabilität, sichere digitale Identitäten und eine klare Kontrolle darüber, wer Daten zu welchem Zweck nutzen darf.
Als erster konkreter Anwendungsfall ist firmen-verzeichnis.li vorgesehen. Ziel ist ein möglichst vollständiges und aktuelles digitales Verzeichnis der Unternehmen in Liechtenstein. Die strukturierten Unternehmensdaten könnten künftig nicht nur für die Suche nach Firmen, sondern auch für weitere digitale Services genutzt werden.
Denkbar sind beispielsweise vereinfachte Onboarding-Prozesse, bei denen Unternehmen ihre Stammdaten nicht bei jeder Plattform erneut eingeben müssen. Auch die automatisierte Überprüfung von Unternehmensangaben, die Einbindung in Karten- und Informationsdienste oder neue datenbasierte Geschäftsmodelle wären möglich. Entscheidend ist dabei, verbindliche Regeln für die Nutzung, Aktualisierung und Weitergabe der Daten festzulegen.
Digitale Identitäten werden zum Schlüsselfaktor
Im Webinar wurde deutlich, dass digitale Identitäten angesichts von KI-generierten Stimmen, Bildern und Avataren weiter an Bedeutung gewinnen. In Zukunft muss zuverlässig überprüfbar sein, ob eine Person oder ein Unternehmen tatsächlich die angegebene Identität besitzt und zur Durchführung einer bestimmten Handlung berechtigt ist.
Sichere Identitätslösungen könnten unter anderem digitale Vertragsabschlüsse, Unternehmensgründungen, Abstimmungen oder den Austausch verifizierter Nachweise erheblich vereinfachen. Gleichzeitig können sie zu mehr Datenschutz beitragen, wenn Nutzerinnen und Nutzer selbst bestimmen, welche Informationen sie mit wem teilen.
Pilotprojekte sollen den konkreten Nutzen aufzeigen
Der vorgeschlagene Data Hub soll schrittweise gemeinsam mit Unternehmen, Organisationen und öffentlichen Stellen entwickelt werden. In einer ersten Phase sollen konkrete Bedürfnisse erhoben, ausgewählte Anwendungsfälle umgesetzt und daraus eine Strategie sowie ein tragfähiges Betriebsmodell für Liechtenstein abgeleitet werden.
In der anschliessenden Fragerunde diskutierten die Teilnehmenden unter anderem die Finanzierung und den Betrieb der Plattformen, die Einbindung der liechtensteinischen eID, Fragen zur Cybersicherheit, die Qualität und Nutzung öffentlich zugänglicher Unternehmensdaten sowie mögliche Organisationsformen für die digitale Basisinfrastruktur.
Das Webinar machte deutlich: Liechtenstein verfügt aufgrund seiner überschaubaren Grösse, seiner kurzen Wege und seiner innovativen Unternehmen über gute Voraussetzungen, um neue Formen der digitalen Zusammenarbeit frühzeitig zu erproben. Voraussetzung dafür sind gemeinsame Standards, Vertrauen und die Bereitschaft, digitale Lösungen nicht isoliert, sondern als Teil eines vernetzten Ökosystems zu entwickeln.
Download Präsentation:
KI-Experten-Ökosystem und Pilotprojekt Data Hub.pdf