Webinar mit der Universität Liechtenstein gab einen praxisnahen Überblick über den aktuellen Stand, konkrete Anwendungen und künftige Entwicklungen von KI-Agenten
KI-Agenten gelten als nächster wichtiger Entwicklungsschritt in der Anwendung Künstlicher Intelligenz. Während generative KI vor allem Inhalte erstellt, können KI-Agenten Aufgaben zunehmend eigenständig planen, ausführen und überprüfen. Welche Möglichkeiten sich daraus für Unternehmen, Wissensarbeitende und Organisationen ergeben, zeigte ein Webinar von digital-liechtenstein.li gemeinsam mit dem Mitglied Universität Liechtenstein am 2. Juni.
Dr. Johannes Schneider, Full Professor für Data Science und Artificial Intelligence an der Universität Liechtenstein, gab den Teilnehmenden einen praxisnahen Einblick in die Welt der KI-Agenten. Im Zentrum standen der aktuelle Stand der Technik, konkrete Anwendungsbeispiele, neue Einsatzfelder sowie die Chancen und Risiken dieser dynamischen Entwicklung.
Zu Beginn erläuterte Schneider die Unterschiede zwischen generativer KI und KI-Agenten. Während klassische KI-Anwendungen auf einzelne Eingaben reagieren, können KI-Agenten komplexere Ziele verfolgen, Zwischenschritte planen, Werkzeuge nutzen und Aufgaben über mehrere Schritte hinweg bearbeiten. Damit entwickeln sich KI-Systeme von reinen Antwortmaschinen zunehmend zu digitalen Assistenten, die Arbeitsprozesse aktiv unterstützen können.
Anhand aktueller Beispiele wie OpenClaw, Claude Cowork von Anthropic und OpenAI’s Agent Builder zeigte Schneider, wie schnell sich das Feld weiterentwickelt. Die Beispiele machten deutlich, dass KI-Agenten nicht mehr nur ein Forschungsthema sind, sondern zunehmend Eingang in konkrete Anwendungen finden. Besonders bei klar definierten Aufgaben, strukturierten Prozessen, Recherche, Dokumentenanalyse, Wissensarbeit und Softwareentwicklung können sie bereits heute wertvolle Unterstützung bieten.
Gleichzeitig machte Schneider deutlich, dass die Technologie weiterhin Grenzen hat. KI-Agenten können Fehler machen, Zwischenschritte falsch interpretieren oder Ergebnisse liefern, die plausibel wirken, aber nicht zuverlässig genug sind. Gerade bei geschäftskritischen Prozessen, sensiblen Daten oder rechtlich relevanten Entscheidungen braucht es deshalb weiterhin menschliche Kontrolle, klare Leitplanken und ein gutes Verständnis der eingesetzten Systeme.
Für Unternehmen eröffnen sich neue Möglichkeiten, etwa in der Automatisierung repetitiver Aufgaben, im Kundenservice, bei der Aufbereitung grosser Informationsmengen, in der Prozessunterstützung oder in der Softwareentwicklung. Besonders relevant sind KI-Agenten dort, wo mehrere Arbeitsschritte miteinander verbunden werden müssen.
Auch die Auswirkungen auf die Arbeitswelt wurden im Webinar thematisiert. Routinearbeiten können stärker automatisiert werden, während Fähigkeiten wie Problemlösung, kritisches Denken, fachliche Einordnung und verantwortungsvolle Entscheidungsfindung an Bedeutung gewinnen.
Zum Abschluss wagte Schneider einen Ausblick auf die weitere Entwicklung. Die Fortschritte der letzten Monate zeigen, dass KI-Agenten in kurzer Zeit deutlich leistungsfähiger geworden sind. Für Unternehmen lohnt es sich deshalb, die Entwicklung aufmerksam zu verfolgen, erste Erfahrungen zu sammeln und konkrete Anwendungsfälle zu testen.