
Rund 100 Teilnehmende, aus dem Mitgliederkreis von digital-liechtenstein.li, trafen sich am 29. Oktober zum fünften Innovation Day an der Universität Liechtenstein in Vaduz. Im Mittelpunkt standen konkrete KI-Anwendungen, digitale Innovationen und Transformationsprojekte aus der Unternehmenspraxis. Acht Fachvorträge von Mitgliedern von digital-liechtenstein.li boten spannende Einblicke in aktuelle Entwicklungen, Erfahrungen und Herausforderungen bei der Umsetzung neuer Technologien.
Nach den ersten vier Durchführungen bei Hilti, thyssenkrupp Presta, Oerlikon Surface Solutions und der VP Bank fand der Innovation Day erstmals an der Universität Liechtenstein statt. Ziel der Veranstaltungsreihe ist es, den Wissens- und Erfahrungsaustausch innerhalb des Netzwerks von digital-liechtenstein.li zu fördern. Mitgliedsunternehmen und Mitgliedsorganisationen stellen dabei ihre konkreten Projekte vor und teilen Erkenntnisse, von denen andere Unternehmen profitieren können.
Den Auftakt bildete ein Gespräch mit Dr. Christian Frommelt, Rektor der Universität Liechtenstein. Im Zentrum standen die Bedeutung der Universität als Innovationsmotor und die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Dabei ging es insbesondere um die Frage, wie aus Forschung und neuen Ideen konkrete Innovationen für Unternehmen entstehen.
Wie sieht das KI-Unternehmen der Zukunft aus?
In seiner Keynote «Autopilot an? Das KI-Unternehmen der Zukunft» beleuchtete Assoz. Prof. Dr. Benjamin van Giffen von der Universität Liechtenstein den aktuellen Stand der KI-Transformation in Unternehmen. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf Agentic AI, also KI-Systemen, die zunehmend eigenständig Aufgaben übernehmen, Entscheidungen vorbereiten und komplexe Prozesse steuern können. Dabei sprach van Giffen von einem grundlegenden Wandel: «Der Sprung von Machine Learning zu generativer KI war ein Modellsprung. Der Sprung zur agentischen KI ist ein Systemsprung.» Für Unternehmen ergeben sich daraus weitreichende Veränderungen. KI entwickelt sich vom unterstützenden Werkzeug zu einem integralen Bestandteil der Wertschöpfung. Damit steigen die Anforderungen an die Steuerung und Kontrolle von KI-Systemen. Gleichzeitig gewinnen Fragen der technologischen Abhängigkeit und der KI-Souveränität an Bedeutung. Unternehmen müssen ihre strategische Handlungsfreiheit auch beim Einsatz externer KI-Technologien bewahren. Besonders betonte van Giffen die Bedeutung des menschlichen Urteilsvermögens. Je mehr Aufgaben KI-Systeme eigenständig übernehmen, desto stärker verändert sich die Rolle des Menschen von der aktiven Ausführung hin zur Überwachung und Steuerung. Führungskräfte stehen deshalb vor der Herausforderung, Effizienzgewinne zu nutzen und gleichzeitig kritisches Denken, Fachwissen und menschliche Entscheidungskompetenz langfristig zu sichern.
Von intelligentem Wissensmanagement bis zum Technologietransfer
Anschliessend standen konkrete Anwendungsbeispiele aus dem Netzwerk von digital-liechtenstein.li im Mittelpunkt. Fabian Ritter von valantic zeigte, wie sich wertvolles Erfahrungswissen von Mitarbeitenden mithilfe künstlicher Intelligenz erfassen, strukturieren und langfristig für Unternehmen nutzbar machen lässt. Damit eröffnen sich neue Möglichkeiten für das Wissensmanagement und den unternehmensweiten Wissenstransfer.
Alberto Gregorio von PHIOS Group stellte mit «SignaQuery» eine Anwendung vor, die Machine Learning nutzt, um Dokumente anhand von Signaturen und Handschriften intelligent zu erkennen und wiederzufinden. Das Praxisbeispiel verdeutlichte, wie KI auch bei spezifischen Aufgaben der Dokumentenverarbeitung eingesetzt werden kann.
Dr. Robert Graczyk vom Digital Innovation Lab von RhySearch widmete sich der Verbindung zwischen Forschung und industrieller Anwendung. Er zeigte auf, welche Rolle der Technologietransfer dabei spielt, Forschungsergebnisse in marktfähige Innovationen zu überführen und Unternehmen bei ihrer digitalen Weiterentwicklung zu unterstützen.
KI-Agenten, Finanzdaten und Datensouveränität
Der zweite Programmteil widmete sich weiteren Anwendungsfeldern künstlicher Intelligenz. Matthias Gruber von Ivoclar beleuchtete unter dem Titel «Agentic Coding im regulierten Umfeld» den Einsatz KI-gestützter Softwareentwicklung. Dabei stand die Frage im Mittelpunkt, wie Unternehmen einen AI-First-Ansatz verfolgen und gleichzeitig hohe Anforderungen an Compliance, Qualität und Kontrolle erfüllen können.
Internationale Perspektiven brachte das Team von Apipana.io ein. Marcus Brackelmanns, Gründer und CEO von Apipana.io, stellte gemeinsam mit Eduardo Alejandro González Blanco und Jesús Arjona Carrillo einen Ansatz vor, mit dem Finanzdaten aus unterschiedlichen Unternehmen mithilfe künstlicher Intelligenz in Echtzeit zusammengeführt und analysiert werden können. Im Fokus stand eine private KI-Infrastruktur für unternehmensübergreifende Finanzanalysen.
Jürg Stricker von DeepCloud zeigte anhand von zwei konkreten Umsetzungen, wie Unternehmen KI-Anwendungen nutzen können, ohne die Kontrolle über ihre Daten abzugeben. Dabei wurden praktische Erfahrungen und Erkenntnisse rund um Datensouveränität und den verantwortungsvollen Einsatz von KI beleuchtet.
Den Abschluss der Fachvorträge gestaltete Laura Wanger, Co-Founderin von Rezendo. Unter dem Titel «AI-native: Wenn KI nicht das Feature ist, sondern die Firma» zeigte sie eine weitere Perspektive auf: Unternehmen, bei denen künstliche Intelligenz nicht nachträglich in bestehende Prozesse integriert wird, sondern von Beginn an die Grundlage des Geschäftsmodells bildet.
Wissensaustausch und neue Impulse für die Praxis
Der Innovation Day 2026 verdeutlichte die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten künstlicher Intelligenz in unterschiedlichen Branchen und Unternehmensbereichen. Die präsentierten Projekte reichten vom intelligenten Wissensmanagement über die Automatisierung von Entwicklungsprozessen bis hin zu datenbasierten Geschäftsmodellen.
Gleichzeitig wurde deutlich, dass die erfolgreiche Nutzung neuer Technologien nicht allein eine technische Frage ist. Auch die Integration in bestehende Prozesse, regulatorische Anforderungen und der verantwortungsvolle Umgang mit Daten spielen eine wichtige Rolle.
Beim anschliessenden Networking-Apéro bot sich den Teilnehmenden die Gelegenheit, die vorgestellten Themen zu vertiefen, Erfahrungen auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen.
Mit dem Innovation Day schafft digital-liechtenstein.li eine Plattform, auf der Mitgliedsunternehmen und Mitgliedsorganisationen ihr Wissen teilen, voneinander lernen und gemeinsam neue Impulse für die digitale Transformation setzen. Die fünfte Durchführung an der Universität Liechtenstein unterstrich erneut den Wert dieses praxisorientierten Austauschs zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Technologie.
Bilder: Daniel Schwendener





























