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Interview

«Die Cybersecurity ist das Topthema für die meisten Banken»

Für die Banken gewinnt der IT-Bereich immer mehr an Bedeutung. Vor allem im Bereich der Sicherheit braucht es neue Lösungen, sagt HSLU-Dozent Thomas Fischer.

Der Druck auf die IT-Budgets steigt bei den Schweizer Retailbanken. Dies zeigt die neueste Studie der Hochschule Luzern (HSLU). Welche Möglichkeiten es gibt, die Kosten zu senken, erklärt Studienautor und HSLU-Dozent Thomas Fischer im Interview mit «Wirtschaft regional».

Interview: Thomas Soraperra. wirtschaft regional

Herr Fischer, was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Erkenntnisse aus der Studie?
Thomas Fischer: Eine der zentralen Erkenntnisse ist, dass künstliche Intelligenz (KI) in den Kernprozessen – wie dem Zahlungsverkehr, dem Hypothekargeschäft und dem Anlageprozess – noch nicht sehr stark im Einsatz ist. Persönlich finde ich es bemerkenswert, dass gerade im Hypothekargeschäft, das für viele Retailbanken einen grossen Teil ihres Geschäfts ausmacht, noch sehr wenig KI im Einsatz ist. Dieser Bereich würde sich eigentlich sehr gut für die Anwendung von Large-Language-Models, also der generativen KI, eignen. Erfreulich ist die Erkenntnis, dass Einsparungen beim Personal nicht die erste Wahl bei Einsparungen im IT-Bereich sind. 

Weshalb ist der finanzielle Druck im IT-Bereich für die Banken so hoch?
Aus meiner Sicht gibt es dafür drei wesentliche Ursachen. Erstens die veränderten Kundenbedürfnisse. Mobile Banking, Integration über alle Kanäle und eine schnelle Markteinführung von neuen Lösungen werden von Kundinnen und Kunden heute erwartet. Zweitens sind es die regulatorischen Anforderungen. Viele Projekte werden umgesetzt, um diese zu erfüllen, beispielsweise im Bereich der Betrugsprävention oder im Monitoring des Zahlungsverkehrs. Und drittens sind es die neuen Technologien selbst, wie KI, Cloud Computing, offene Schnittstellen (APIs) und Blockchain. Diese müssen laufend geprüft und implementiert werden. Und zu guter Letzt gibt es noch den Plus-1-Faktor, der alle drei Ursachen betrifft.
«Banken müssen genau wissen, wo ihre Daten liegen, welche KI-Modelle genutzt werden und wie die Lieferketten aussehen.»

Und welcher wäre das?
Die Cybersecurity. Sie ist das Topthema für die meisten Banken und kommt in allen drei vorhin genannten Bereichen, Kundenbedürfnisse, Regulatorik und Technologie, vor. Banken müssen Sicherheit an der Kundenschnittstelle sicherstellen, damit Kundinnen und Kunden wirklich sichere IT-Ser­vices haben, weil sonst das Vertrauen leidet, das wichtigste Gut im Banking. Regulatorisch steigen die Anforderungen im Sicherheitsbereich ebenfalls. Zudem bergen technologische Neuerungen einerseits neue ­Sicherheitsrisiken, bieten andererseits aber auch neue Lösungsansätze an. 

Um die Kosten zu senken, setzen viele Banken auf Outsourcing. Welche Vor- und Nachteile ergeben sich für die Banken?
Die Vorteile liegen auf der Hand. Banken erhalten Zugang zu externer technischer Expertise und profitieren von Kosteneinsparungen durch Skaleneffekte. Ausserdem können sie ihr Sicherheitsniveau mithilfe des Know-hows der Provider erhöhen. Die Nachteile manifestieren sich jedoch in den «Kosten durch Abhängigkeit». Als Bank bin ich oft technisch an meinen Provider gebunden und kann ihn nicht so schnell wechseln. Beziehungsweise sind die Wechselkosten relativ hoch. Zudem steigt der regulatori­sche Druck zu mehr Transparenz, beispielsweise durch die Finma. 

Was bedeutet dies für die Banken?
Das heisst, Banken müssen genau wissen, wo ihre Daten liegen, welche KI-Modelle genutzt werden und wie die Lieferketten aussehen. Ein unzureichendes Provider-Management kann in diesem Fall zu hohen Kosten und unkontrollierbaren Sicherheitsrisiken führen.

Kommen wir nochmals auf das Thema Personaleinsparungen zu sprechen. Diese scheinen bislang zwar keine grosse Rolle zu spielen. Könnte sich das künftig, mit dem fortschreitenden Einsatz von KI, ändern?
Wenn einzelne Mitarbeiter hier und da einmal eine halbe Stunde sparen, führt das gerade bei kleinen und mittelgrossen Banken meist nicht unbedingt zu Personaleinsparungen, sondern in erster Linie zu Effizienzvorteilen. Diese können entweder unproduktiv genutzt werden, beispielsweise für längere Pausen, oder produktiv für mehr Kundenkontakte. Ich denke, letztlich ist KI nicht die erste technologische Entwicklung, die grossen Einfluss auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausübt. Und bisher hat uns die Realität gezeigt, dass es nicht zu einer Massenarbeitslosigkeit kam, sondern dass auch immer neue Bedürfnisse und Ange­bote entstanden sind. 


Mehr zum Thema: Cybersecurity-Konferenz 2026
Am Donnerstag, 26. November 2026, veranstaltet digital-liechtenstein.li in Kooperation mit der Liechtensteinische Landesbank AG (LLB) die vierte Cybersecurity-Konferenz von digital-liechtenstein.li. Die Konferenz beleuchtet aktuelle Herausforderungen, Trends und Lösungsansätze im Bereich Cybersicherheit – ein Thema, das für den Wirtschaftsstandort Liechtenstein von zentraler Bedeutung ist. Weitere Informationen und Anmeldung

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