
Ein digitales Mindset ist eine zentrale Voraussetzung, damit digitale Transformation im Alltag Wirkung entfalten kann. In einem Gastkommentar in «Wirtschaft regional» zeigt Martin Schädler, Leiter Bereich Operations und Mitglied der Geschäftsleitung der FMA und Boardmitglied von digital-liechtenstein.li, am Beispiel der FMA, wie Strategie, Technologie und Kultur zusammenspielen.
Digitalisierung ist kein reines IT-Projekt. Sie ist eine Veränderung der Art, wie wir arbeiten, entscheiden, kommunizieren und somit letztlich der Art, wie wir Verantwortung wahrnehmen. Genau deshalb entscheidet sich der Erfolg nicht allein an Plattformen, Programmen oder Infrastruktur, sondern am Mindset der Menschen, die diese Werkzeuge täglich nutzen. Die FMA hat in den letzten Jahren konsequent an den Voraussetzungen gearbeitet, damit Digitalisierung nicht «passiert», sondern gestaltet wird.
Der Grundstein dafür wurde früh gelegt: Bereits 2010 startete die FMA mit einer umfassenden IT-Strategie, 2018 folgte eine Digitalstrategie (bis 2022) und seit 2023 gilt die IT-Strategie 2023+ sowie die Digitalstrategie 2023 – 2026, welche aktuell überarbeitet wird. Strategien sind wichtig – aber sie entfalten nur Wirkung, wenn sie im Alltag ankommen. Darum hat die FMA die digitale Transformation entlang klarer Stossrichtungen organisiert und besonders dort investiert, wo Technik und Kultur unmittelbar zusammenkommen.
Kompetenzen statt Features
Ein sichtbares Zeichen dieser Entwicklung ist der «Modern Workplace», der letztes Jahr bei der FMA erfolgreich ausgerollt wurde. Chatprogramme oder KI-Assistenten sind dabei mehr als neue Icons: Sie schaffen eine gemeinsame Arbeitsfläche, reduzieren Medienbrüche und machen Zusammenarbeit nachvollziehbarer – etwa durch versionierte Dokumente, transparente Ablagen und orts- sowie zeitunabhängigen Zugriff. Und mit KI-gestützten Funktionen kommt eine neue Dimension hinzu: Routineaufgaben lassen sich schneller erledigen, Informationen besser zusammenführen, erste Entwürfe effizienter erstellen. Gerade bei KI gilt jedoch: Der Mehrwert entsteht nicht durch das Feature, sondern durch die Kompetenz, es verantwortungsvoll einzusetzen.
Damit der Modern Workplace nicht nur eingeführt, sondern auch gelebt wird, setzt die FMA systematisch darauf, die Mitarbeitenden mitzunehmen. Denn Digitalisierung scheitert selten an fehlender Funktionalität, sondern daran, dass Gewohnheiten stärker sind als gute Absichten. Wer weiterhin E-Mail-Pingpong spielt, Dateien lokal speichert oder Informationen in persönlichen Ablagen parkt, wird auch mit der modernsten Plattform keine echte Effizienz gewinnen. Ein digitaler Mindset heisst deshalb: offen sein für neue Arbeitsweisen, Wissen aktiv zu teilen, Standards zu akzeptieren, kontinuierlich zu lernen und sich dabei auch gegenseitig zu unterstützen, wenn etwas noch nicht sitzt.
Akzeptanz ermöglicht Skalierung
Konkret stellt die FMA ein breites Schulungsangebot bereit und hat es um eine massgeschneiderte Learning Journey ergänzt. Sie fördert digitale Affinität rollenspezifisch, vom sicheren Umgang mit Daten und Dokumenten über Kollaborationsroutinen in Teams bis zur reflektierten Nutzung von KI. Denn wenn Mitarbeitende verstehen, warum ein Tool eingeführt wird, wie es ihre Arbeit erleichtert und welche Spielregeln gelten, entsteht Akzeptanz. Und erst Akzeptanz macht Skalierung möglich – also die Fähigkeit, digitale Lösungen organisationsweit wirksam zu nutzen.
Dass Digitalisierung bei der FMA nicht an der Bürotür endet, zeigt auch die Umsetzung des E-Government-Gesetzes: Der elektronische Geschäftsverkehr mit Behörden wird zum Standard, staatliche Dienstleistungen sollen effizienter und unabhängig von Ort und Zeit zugänglich sein. Die FMA hat dafür zahlreiche Voraussetzungen geschaffen – von der vollständig digitalen Aktenverwaltung über die digitale Amtssignatur bis zur Antragsplattform. Mit einem verschlüsselten Datenaustauschraum können zudem grössere Dokumentenmengen sicher mit Finanzinter- mediären geteilt werden.
Solche Projekte zeigen: Technik und Prozesse lassen sich planen. Der entscheidende Faktor bleibt jedoch die Haltung im Alltag. Wenn Mitarbeitende neugierig bleiben, Standards konsequent anwenden und digitale Werkzeuge als Chance begreifen, wird aus der Digitalisierung spürbarer Fortschritt.